Losgelaufen im Jotunheimen – 1

Anreise in den Jotunheimen Nationalpark

Um 3:50 Uhr morgens klingelt der Wecker. Um 4:43 Uhr soll mich der Bus zum Flughafen bringen und wenn alles nach Plan läuft sitze ich um 6:35 Uhr im Flieger von Stuttgart nach Frankfurt. Natürlich fährt mir der Bus vor der Nase weg da ich nicht gleich aus dem Bett gekommen bin. Das erste Durchschnaufen. Aber ich habe ja noch ein Backup. Einfach den Bus um 5:13 Uhr nehmen, der ja auch noch reichen sollte. Ankunftszeit 5:37 Uhr am Flughafen. Dazwischen einmal vom Bus in die S-Bahn umsteigen. Aus irgendeinem Grund fährt aber die S-Bahn fünf Minuten später los. Das zweite Durchschnaufen. Angekommen am Flughafen um ca. 5:45 Uhr geht es in Richtung Terminal. Allzu viel dürfte ja noch nicht los sein, immerhin sind ja noch keine Sommerferien. Gerade als sich dieser Gedanke davon macht kommt die Rolltreppe an ihr Ende und vor mir tut sich eine Menschenmenge auf. Natürlich ist die Hölle los. Angezeigte Wartezeit am Security Check derzeit 20 Minuten stand da. War ja klar. Ein Glück, dass ich das Gepäck am Abend zuvor aufgegeben habe. Aber das sollte trotzdem reichen. Dann wäre ich 10 Minuten vor dem Boarding durch den Check. Das dritte Durchschnaufen und das schon am frühen Morgen.

Meine erste Tour bringe ich noch in Deutschland hinter mich

In Frankfurt angekommen parkt das Flugzeug gefühlt an irgendeinem Ende vom Flughafen. Die Busfahrt nach dem Ausstieg kommt mir jedenfalls ewig vor. Am Terminal Gebäude angekommen, hab ich schon mal die erste Tour vor mir und das sogar noch in Deutschland. Fast vom Ende des B Bereiches zum anderen Ende des A-Bereiches darf ich laufen und der Frankfurter Flughafen ist ja wie jeder sicherlich weiß riesig. Aber ich habe ja fast zwei Stunden Aufenthalt bevor es nach Oslo geht. Also alles im grünen Bereich. Auf dem Weg dorthin bekomme ich Hunger, ich habe ja auch noch nichts gefrühstückt. Also leiste ich mir mein bis dahin teuerstes Laugencroissant für 3,50€ vom Bäcker. „Eine sehr gute Wahl“, hatte der Verkäufer noch gesagt. Ich packe mein Croissant in den Rucksack und stapfe in Richtung Abfluggate. Dort angekommen suche ich mir einen Platz mit Blick aufs Rollfeld aus und hole mein Croissant aus dem Rucksack und darf feststellen, es war nicht nur mein teuerstes sondern auch noch mein trockenstes und bröseligstes Croissant aller Zeiten. So viel also zu „Eine sehr gute Wahl“. So langsam tauchen an meinem Gate auch die ersten Leute auf. Irgendwann setzen sich in meine Reihe vier Leute mit grauen Polos und darauf ein blaues Logo der TSG Hoffenheim. Zuerst dachte ich an irgendwelche Fans oder vielleicht eine Jugendmannschaft. Dann kamen aber immer mehr die sich um mich herum verteilten bis ich dann Kevin Volland und Markus Gisdol erkannt habe. Also doch die Profimannschaft. Da kennt man ja echt keinen. Kein Wunder also, dass die Stewardess im Flugzeug später verdutzt fragte, „Sie haben ja alle die gleichen Polos an, sind Sie etwa eine Fußballmannschaft“?

Ohne Gas kein warmes Essen

Der Flug nach Oslo geht recht zügig vorbei, dort angekommen ist meine Zeit etwas knapper bemessen. Vor allem auch noch dadurch, dass ich so ziemlich als letzter meinen Rucksack an der Gepäckausgabe erhalte. Und ich muss vorher noch in die Innenstadt von Oslo um mir Gas zu besorgen. Auf kaltes Essen während meiner Tour habe ich nicht wirklich Lust. Ich nehme den Express Zug für 180 NOK, der zwar nur eine sieben Minütige kürzere Fahrtzeit hat, aber dafür in fünf Minuten fährt. Auf die normale Bahn der NSB müsste ich noch knapp 20 Minuten warten. Und jetzt zählt jede Minute, da ich mich in Oslo nicht wirklich auskenne und mir nicht zu hundert Prozent sicher war ob ich das Gas auch im Outdoor Laden in Oslo erhalte. Hier zur Info für andere Norwegen Reisende. Der G-Sport hat eine ausreichende Auswahl an Primus Gaskartuschen von klein bis groß. Dazu einfach das Bahnhofsgebäude in Richtung Innenstadt verlassen, an der Domkirche vorbei über die Hauptstraße geradeaus und dann ca. 500 Meter laufen bis der Eingang zum G-Sport rechter Hand auftaucht. Von außen sieht der Laden nicht sehr groß aus. Die Treppe führt ins Untergeschoss. Unten angekommen sieht man, dass es doch etwas größer ist, als es von außen aussieht. Jetzt nicht sehr breit, aber dafür lang. Kleiner Tipp meinerseits. An einer Stelle spaltet sich der Weg auf. Geht nicht rechts entlang sondern gleich links, sonst müsst ihr den ganzen Laden ablaufen. Wäre ich links lang gegangen, wäre ich gleich bei den Kartuschen gewesen.

Gaskartusche bezahlt und eingetütet ging es gleich wieder in Richtung Bahnhof. Dort angeschlossen ist auch das Busterminal, von dem aus man fast ganz Norwegen erreichen kann. Auch wenn die Busse jetzt nicht sehr oft fahren. Am Busterminal angekommen, habe ich noch 20 Minuten bevor es dann mit dem Valdresekspressen für 380 NOK in Richtung Beitostolen geht. Über die Busse in Norwegen kann man echt nicht meckern. Die Sitze bieten ausreichend Komfort. Beinfreiheit ist ungewohnt übermäßig vorhanden. Es gibt eine Steckdose und W-Lan. Was will man mehr?

Schon die Busfahrt versetzt mich ins Staunen

Knapp fünf Stunden dauert meine Fahrt durch eine jetzt schon echt grandiose Landschaft zu meinem Zwischenziel Beitostolen. Überall sieht man schon die typischen norwegischen roten Häuser. Von dort geht es weiter mit dem Taxi nach Gjendesheim. Das Taxi musste ich zwei Tage vor meinem Abflug noch organisieren. Kleiner Tipp, lest rechtzeitig das Kleingedruckte auf den Busfahrplänen! Mein Anreisetag war Montags. Nun ist es aber so, dass der Bus nur Freitags zu dieser Uhrzeit komplett bis nach Gjendesheim meinem Zielort und Tourenstart fährt. An einem Tag in den Jotunheimen Nationalpark zu kommen gestaltet sich also recht schwierig. Auch über die Variante Otta. Entweder man plant irgendwo noch eine Nacht ein und fährt am nächsten Tag weiter oder man fährt wie ich mit dem Taxi. Das gestaltet sich für 800 NOK zwar etwas teuer, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Auf Anfrage gebe ich die Kontaktdaten gerne weiter. Und es ist tatsächlich besser, das Taxi schon vorher zu reservieren. Eine andere Alternative wäre auch trampen gewesen. Soll in Norwegen gut funktionieren.

Auf der Fahrt nach Gjendesheim unterhalte ich mich ein wenig mit dem Taxifahrer der mir erzählt, dass dieses Jahr der Sommer nicht so richtig in die Gänge kommen will. Ein zwei Tage ist das Wetter schön, nur um dann wieder einen bis mehrere Tage verregnet zu sein. Ich frage ihn noch ob viele Touristen seine Dienste in Anspruch nehmen, da man ja sonst nur schwer in den Nationalpark kommt. So fünf bis sechs Fahrten hat er pro Saison meinte er. Ich bin diese Saison erst die zweite. Vor mir waren es zwei Herren mittleren Alters, auch aus Deutschland. Zwischendrin muss ich immer wieder die Landschaft bestaunen. Die Berge türmen sich immer mehr auf. Zahlreiche Seen und weitreichende Landschaften. Dann fragt er mich ob ich noch eine Nacht in Gjendesheim bleibe oder gleich los will. Ich will natürlich gleich los. Da das Wetter gerade sonnig und angenehm warm ist meint er, dass das prima sei Es gibt nichts besseres als gleich los in den Abend zu wandern. Er erzählt mir auch, dass der Norweger an sich erst im späten August bis in den September mit dem Zelt unterwegs ist. Auch ganz einfach deshalb weil es dann farblich interessanter ist.

Am selben Tag geht es noch los

An der Touristenhütte in Gjendesheim, wie sie in Norwegen genannt werden, angekommen verabschiede ich mich vom Taxifahrer und sortiere erstmal meine Sachen am und im Rucksack. Die Touristenhütten sind im Prinzip wie die Alpenvereinshütten im DAV oder ÖAV nur mit gehobenem Standard. Wenn man so eine Hütte das erste mal betritt denkt man wirklich man ist in einem Hotel. Ich war schon in Hotels die nicht so toll eingerichtet sind. Und jede Hütte hat einen Raum in dem man sich ehrlich sofort heimelig fühlt. Es laufen auch alle in Socken herum. Wenn man nur DAV Hütten kennt, traut man sich erstmal auch nicht in der Wanderkluft das Haus zu betreten. Erst recht nicht wenn man voll mit Dreck ist. Aber das ist kein Problem.

Der Gjende

Der Gjende

Ich schultere meinen 18kg Rucksack und schnalle meine Kameratasche vor die Brust und dann geht es gegen 20:00 Uhr auch schon los den Berg hoch. Voll motiviert mache ich die ersten Höhenmeter bis ich etwas außer Atem komme. Alter Schwede ist das steil denke ich mir nur. Wie alle meine Touren gehe ich auch diese viel zu schnell an. Also erstmal das Tempo rausnehmen. Immerhin habe ich ja noch ein paar Tage vor mir. Da der Start teilweise den Weg entlang führt der von der Touristischen Hauptattraktion Beseggen herunterführt kommen mir einige Touristen entgegen. Das nutze ich schon mal zum üben des typisch Norwegischen „Hej!“. Ein paar weitere Höhenmeter später blicke ich mich das erste mal so richtig um und ich kippe da schon fast aus den Latschen. Auf dem Weg nach oben kann man schon den Gjendesee überblicken und das versetzt einen ins Staunen. Sofort hole ich die Kamera heraus und mache die ersten Bilder. Die abendliche Sonne strahlt den See an, was für eine richtig tolle Lichtstimmung sorgt. Dann drehe ich mich um und … werde fast über den Haufen gerannt. Mit einem Affenzahn rennt an mir ein „Wanderer“ vorbei. Im ersten Moment dachte ich noch, gut er hat wahrscheinlich vergessen daheim den Herd auszuschalten und um Zeit gut zu machen rennt er halt runter. Der zweite Gedanke war, dass da irgendwo vielleicht eine versteckte Kamera ist, da ich ja meistens im Schildkrötentempo unterwegs bin und meinen verdutzten Gesichtsausdruck aufnehmen will. Es war aber schlicht und einfach ein Mountain Runner. Wie diese Leute teilweise über die Berge rennen nötigt mir schon einiges an Respekt ab. Natürlich haben sie weniger bis keine Last auf dem Rücken. Aber trotzdem. Einmal an einem Stein abgerutscht und das wars.

In Richtung Bessheim

In Richtung Bessheim

Orientierung findet man beim Wandern an den markanten roten T-Zeichen, Schildern oder Steinmännern wie sie genannt werden. Im Prinzip Steinhaufen. Mal größere, mal kleinere. Die erste Steigung habe ich hinter mir da kommt eine erste Gabelung und… kein Schild. Ein Weg führt sofort weiter den Berg hoch der andere etwas später. Fängt gut an denke ich mir. Die Karte hinten im Rucksack und ich in diesem Moment zu faul ihn abzunehmen überlege. Da ich mir die Karte natürlich schon etwas eingeprägt habe weiß ich, dass der Weg links weg über den Besseggen führen müsste, den ich mir für den Schluss aufheben will. Und da ein Strom an Touristen dort den Hang herunter kommt bin ich mir ziemlich sicher, dass ich geradeaus muss. Also gehe ich auch geradeaus. Nach ca. einer Stunde komme ich an der ersten Wasserquelle vorbei und fülle alle meine Wasserbehältnisse auf. Jawoll ja, da wird der Rucksack gleich nochmal um ca. 2kg schwerer. Ich gönn mir einen kleinen Abstecher auf eine Kuppe und genieße den Ausblick in Richtung Bessheim. Die weite Landschaft raubt mir den Atem.

Das Zelt wird zum ersten mal aufgeschlagen

Langsam zieht die Wolkendecke zu. Für den Abend war ja auch noch Regen angesagt, also gehe ich weiter bis ich meine erste Brücke von vielen über den Bessvatnet Abfluss überqueren darf. Und ausgerechnet von meiner ersten Brücke habe ich kein Bild gemacht. Über der Brücke erblicke ich auch den Bessvatnet linker Hand das erste mal so richtig. Eine klasse Bildstimmung durch die Wolken tut sich mir auf. Ich entscheide mich hier heute fürs erste mein Lager aufzuschlagen. Ich mache mich auf die Suche nach einer einigermaßen geraden Fläche ohne Steine oder Äste und lege meinen Rucksack ab. Als erstes baue ich dann aber nicht mein Zelt auf sondern fotografiere noch etwas. Der Wind der vom Besseggen her weht bläst hier einem eisig um die Nase. Nach einer Fotosession und dem erkunden meiner näheren Umgebung baue ich aber schließlich zum ersten mal mein Zelt auf. Der Wind lässt nach und ich mache Bekanntschaft mit den norwegischen Mücken. Unglaublich wie diese lästigen Viecher bei Windstille zahlreich aus ihren Löchern gekrochen kommen. Aber einen Stich habe ich nicht abbekommen. Wie insgesamt nur sechs Stiche auf meiner Tour. Eine Respektable Quote wie ich finde.

Das Zelt steht

Das Zelt steht

Der Wind kommt wieder und die Mücken sind weg. Ich beziehe mein Zelt und koche mir mein erstes Tütenessen unter der Apsis meines Zeltes. Vom Start weg klappt das wunderbar. Das Tütenessen schmeckt nicht unbedingt schlecht, nur sollte man unbedingt irgendetwas zum Würzen mitnehmen. So gegen 22 Uhr krieche ich in meinen Schlafsack und schlafe sogar recht schnell ein. Als ich aufwache ist es hell und ich denke mir nur, dass ich geschlafen haben muss wie ein Bär. Ich schaue auf die Uhr und sehe, dass es kurz nach Mitternacht ist. Na klar. Hier wird es nicht richtig dunkel. Das hatte ich ganz vergessen. Da muss man sich erst einmal daran gewöhnen. Ich drehe mich um und schlafe weiter.

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  • Glowing Tokyo. At night it seems like a complete different city. 
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  • i like those rock beaches on Malta with the wild sea

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