Losgelaufen im Jotunheimen – 3

Interessantes Wetter

Kurz vor sechs Uhr wache ich auf. Draußen geht etwas der Wind, aber es regnet nicht mehr. Letzte Nacht hatte es nämlich irgendwann angefangen zu regnen und ich befürchtete schon wieder länger im Zelt zu sitzen. Ein Glück kam es aber etwas anders.

Mein geräumiges Eigenheim in Norwegen

Mein geräumiges Eigenheim in Norwegen

Ich steige aus dem Zelt und es kommt sogar die Sonne zum Vorschein. Jedoch immer nur für kurze Zeit, da die Wolken sich immer wieder davor schieben. In Richtung Styggehobreatinden hängen die Wolken jedoch ziemlich tief und ich kann auch erkennen, dass die Wolken schon abregnen. Ich befürchtete schon, dass die Wolken nun direkt zu mir ziehen würden. Eine ganze halbe Stunde verbrachte ich damit den Wolken bzw. dem Wetter zuzusehen. Das ist auch ein recht interessantes Schauspiel mit welcher Geschwindigkeit die Wolken hier ziehen. Zu meinem Glück zieht der Regen Südöstlich an mir vorbei in Richtung Besfjellet. Also dort, wo ich gestern eine ganze Ladung Wasser von oben abbekam. Ich fange also an meine Sachen zusammenzupacken und das Zelt abzubauen. So ca. 30 Meter weiter war ein Bach, zu dem ich erstmal gehe um mein Müsli zu essen und die Wasservorräte aufzufrischen und mich auch zu waschen. Zum Glück kam die Sonne nun vollends hervor, das machte es etwas erträglicher auch wenn der Wind noch etwas ging. Trotzdem dieses kalte Wasser weckt in einem die müden Lebensgeister wieder kann ich nur sagen.

Es lohnt sich auch mal zurückzublicken

Es lohnt sich auch mal zurückzublicken

Eine Buschwanderung

Nachdem ich mit allem fertig bin solls aber dann wirklich losgehen. Der Weg führt bei Sonnenschein entlang des Russvatnet. Zuerst geht der Weg angenehm auf und ab und führt an einem kleinen Kiesstrand vorbei.

Mein Strand, möchte man fast sagen

Mein Strand, möchte man fast sagen

Zum Baden ist es aber etwas zu kalt

Zum Baden ist es aber etwas zu kalt

Natürlich muss ich die Gelegenheit beim Schopfe packen und die Kamera sofort aus der Tasche holen. Die Landschaft ist einfach wieder eine Augenweide. Dann führt der Weg durch sumpfiges teilweise Hüfthohes Gestrüpp. So eine scheiße murmel ich vor mich hin.

Das Gras wird schon höher

Das Gras wird schon höher

Es blüht sogar was

Es blüht sogar was

Natürlich wird es genau zu diesem Zeitpunkt auch noch nahezu Windstill. Das bedeutet, dass die Mücken wieder zahlreich hervorkommen. Noch dazu ist es in diesem „Busch“ irgendwie deutlich wärmer. Der komplette Weg durchs Gestrüpp ist mit Wasser überflutet. Teilweise versinkt man nahezu knöcheltief im Matsch. Um diesem Problem weitestgehend aus dem Weg zu gehen, versuche ich auf den Flechten und Ästen die auf dem Matsch schwimmen zu laufen. Dadurch versinke ich weniger tief. Zwei kleinere Bäche müssen mit Brücken überquert werden. Bis der Weg dann wieder weitestgehend normal wird.

Auch nach links oder rechts zu blicken lohnt sich

Auch nach links oder rechts zu blicken lohnt sich

Nach Glitterheimen soll es heute gehen

Nach Glitterheim soll es heute gehen

Über Stock und Stein und vielleicht durch Wasser?

Nach einiger Zeit führen mich die T-Zeichen zu meinem ersten größeren Geröllfeld. Ich mache davor erstmal eine kleinere Pause um ein bisschen was zu essen. Die Zeit nutze ich auch gleich um mein T-Shirt etwas zu trocknen. So ca. 15 Minuten später geht es weiter.

Das erste größere Geröllfeld

Das erste größere Geröllfeld

Die Geröllfelder die ich hier kennenlerne sind deutlich anspruchsvoller als die, die ich bisher aus den Alpen kannte. Sie sind deutlich größer und erfordern dadurch auch deutlich höhere Schritte. Zudem sind die meisten Steine ziemlich wackelig. Also volle Konzentration um nicht irgendwo mal blöd abzurutschen. Nach weiteren ungefähr 15 Minuten führen die T-Zeichen einen über den Tjonnholae oder vielmehr sollte es so sein. Dort wo wahrscheinlich eine Brücke sein sollte kann ich nur noch ein längeres Brett im Bachbett erkennen. Na gut dann wird der Bach halt über Steine überquert. Blöd nur, dass es in den letzten Tagen ja etwas mehr geregnet hat. Das heißt wiederum der Bach hat ziemlich viel Wasser das schnell den Hang hinunterfließt. Und im Wasser sind die Steine wie sicherlich jeder weiß sehr rutschig. An den meisten Stellen in der Nähe geht es Steil direkt ins Wasser. Also keine Chance für mich da irgendwie rüber zu kommen. Ein paar wenige Stellen gibt es die flacher sind an denen ich mich auch versuche. Ich mache den ersten und teilweise zweiten Schritt, muss aber abbrechen, da ich mich jedes Mal schon im Wasser liegen sehe. Die Strömung ist ziemlich stark. Ok, also wieder zurück ans Ufer. Da stehe ich nun gestützt auf einen Wanderstock und schaue mich um. Was mache ich jetzt? Schuhe aus, meine Sandalen an und dann den Rucksack versuchen rüber zu werfen und dann selbst rüber? So richtig Lust habe ich dazu keine, das Wasser ist eiskalt. Da erkenne ich ca. 150 Meter weiter unten Schafe auf der anderen Seite. Also wenn dort Schafe sind, dann müssten die doch auch mal irgendwann irgendwie auf die andere Seite gekommen sein kommt mir der Gedanke. Ich entschließe mich dazu in Richtung der Schafe zu gehen. Wieder über Geröll natürlich. Und als ich schon fast bei den Schafen bin erkenne ich tatsächlich eine improvisierte Brücke. Über schmale eigentlich nicht sehr stabil wirkenden Brettern geht es rüber. Na also, geht doch.

Hier ziehen die Wolken gerade wieder zu

Hier ziehen die Wolken gerade wieder zu

Nur über Geröll zum Ziel?

Ich mache mich auf zum ersten T-Zeichen auf dieser Seite und setze meinen immer steiler werdenden Weg nach oben fort. Oben am Hang angekommen wo man erstmals eine kleinere ebene Fläche vorfindet dachte ich erstmal an eine kurze Pause. Just in dem Moment zieht kalter Wind auf und es fängt an zu nieseln. Also keine Pause. Jacke an und weiter gehts. Der richtige Regen bleibt aber zum Glück aus. Trotzdem ist es im Zusammenspiel mit dem kalten Wind nicht sehr gemütlich. Der Weg führt in einem Auf und Ab über größere und kleinere Steine um den Berg in Richtung Vestre Hestlaegerhoe. Zwischendrin drehe ich mich mal um, auch um zu sehen wo ich hergekommen bin. Drei Gestalten kann ich da kurz vor dem Geröllfeld ausmachen. Ich gucke ein Weilchen zu und dann wahrscheinlich irgendwann richtig blöd aus der Wäsche. Drei Norweger, wie ich dann etwas später als sie mich noch überholten hören konnte, taten sich das Geröllfeld nicht an sondern gingen auch an der Brücke mit den Schafen einfach weiter bis sie das Geröllfeld hinter sich gelassen hatten und dann hoch zum Hang. Oh wie kam ich mir blöd vor. So ist das halt wenn man sich an die T-Zeichen zu halten versucht. Die drei kamen mir in einem Affenzahn immer näher und dann an mir vorbei. Und im gleichen Affenzahn waren sie dann auch schon wieder weg. Norweger sind für mich ja wahre Wandervirtuosen, Hut ab.

Nur über Geröll!

Ein Erinnerungsfoto und dann geht es weiter

Ein Erinnerungsfoto und dann geht es weiter

Es geht also weiter und ich sehe was? Ein Meer an Geröll das nicht enden will. Aber wenn ich schon mal hier bin stapfe ich natürlich auch los. Immerhin war der Nieselregen schon wieder vorbei, lediglich windig war es noch.

Noch sind die Steine kein großes Problem

Noch sind die Steine kein großes Problem

Unterwegs treffe ich auf einen Polen, der in Oslo wohnt und arbeitet und unterhalte mich mit ihm unter anderem über die schnellen Norweger. Er erzählte zum Beispiel, dass er mitlerweile am liebsten alleine wandert, einfach wegen des Tempos. Zwei norwegische Freunde die er fürs wandern begeistern konnte wären laut ihm nun zu Gipfelstürmern geworden bei denen nur noch die Geschwindigkeit zählt. Auf das hat er aber keine Lust. Kann ich durchaus verstehen. Er war auch auf dem Glittertinden, der für mich bis dahin auch noch eine Option war, aber meinte aufgrund des Wetters war es ein Reinfall. Durch die ganzen Wolken sieht man einfach nichts.

Nach der kurzen und netten Unterhaltung ging es für mich weiter den Vestre Hestlaegerhoe hinauf. Für Ihn nach Memurubu. Genau in dem Moment als die Geröllsteine größer werden und der Weg steil kommt die Sonne heraus und der Wind stellt seine Arbeit ein. Die Sonne knallt ordentlich herunter. Beim hoch quälen kommt mir der Gedanke, Meteorologe für den Jotunheimen Nationalpark muss ein easy Job sein. Mit der Wetter Vorhersage „wechselhaft“ trifft man immer ins schwarze.

Die ersten richtigen Altschneefleder tauchen auf

Die ersten richtigen Altschneefleder tauchen auf

Natürlich wartet dort oben auch ein Altschneefeld noch auf mich. Zuerst ging meine Hoffnung in die Richtung, dass ich da bestimmt nicht drüber muss, sogar ganz bestimmt nicht. Aber irgendwann erkennt man dann eben Fußspuren im Schnee und hat Gewissheit. Also juhu ein Altschneefeld. Bei jedem Schritt rutscht man etwas nach hinten und bei jedem zweiten Schritt sackt man etwas ein. Das macht das ganze richtig anstrengend. Folgt man den Spuren muss man auch noch wie ein Model auf dem Laufsteg einen Fuß vor den anderen setzen. Ich weiß nicht wieso, aber Spuren die einigermaßen eine normale breite für normales gehen haben gibt es nicht. Und neben den Spuren zu gehen ist meistens auch keine Option. Entweder ist da der Schnee zu weich und man sackt noch mehr ein oder er ist zu hart, sodass man einfach keinen Halt findet. Ich weiß nur eins, ohne meine Wanderstöcke wäre ich etwas aufgeschmissen. Meine Hoffnung geht da hin, dass nach dem Altschneefeld doch bitte ein einigermaßen normaler Weg kommen möge.

Der anstrengendste Teil der heutigen Wanderung

Der anstrengendste Teil der heutigen Wanderung

Aber nichts da. Oben angekommen geht es natürlich über Geröll weiter nach unten in Richtung Glitterheimen. Zwischendrin immer wieder Altschneefelder. Durch die meisten rutscht man mehr als man geht. Trotz allem richte ich immer wieder beide Augen auf die Landschaft, bleibe stehen und fotografiere.

Immer wieder gönne ich mir kleine Fotografiepausen

Immer wieder gönne ich mir kleine Fotografiepausen

Ich bin etwas geschafft

Von weitem kann ich auch schon Glitterheimen erkennen. Ganz bis dorthin werde ich heute nicht mehr gehen. Ich suche mir noch vor der großen Hängebrücke einen Platz für mein Zelt. Trotzdem muss ich einfach einmal rüber und wieder zurück. Eine recht wackelige Angelegenheit.

Das Veodalen bietet eine Traumhafte Aussicht

Das Veodalen bietet eine Traumhafte Aussicht

 

Einmal über die Brücke und dann wieder zurück

Einmal über die Brücke und dann wieder zurück

Zum ersten mal bin ich etwas geschafft. Aber garnicht so sehr physisch. Heute war das für mich vielmehr vom Kopf her anstrengend. Das ist schon etwas ungewohnt, sich über einen langen Zeitraum ständig zu einhundert Prozent darauf zu konzentrieren nirgends falsch hinzutreten. Noch dazu sind viele der Geröllsteine einfach wackelig. Trotzdem bin ich mir an diesem Tag sicher, auch wenn es noch so anstrengend ist, es macht einfach Spaß.

Die Aussicht direkt aus meinem Zelt heraus

Die Aussicht direkt aus meinem Zelt heraus

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  • View to Sliema on Malta 🇲🇹 #travel #backpacking #wanderlust #oriental
  • Old lady of Mdina

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  • A part of Grand Harbour at Valletta. 
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  • This is maybe the most famous view of Valletta (or Malta?) shot from Tigné Seafront in Sliema

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