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Losgelaufen in Kyoto – Anreise

Für knapp drei Wochen war ich in Japan unterwegs um Land und Leute kennenzulernen. Meine Route führt mich von Tokyo nach Kyoto, Fukuoka, Kagoshima, Osaka und Yokohama.

Auf wiedersehen Tokyo, hallo Kyoto!

Gegen Mittag machte ich mich auf den Weg zur Tokyo Station. Nach der 15 Minütigen Fahrt war ich dann auch schon da. Mein Shinkansen sollte aber erst um 14 Uhr nach Kyoto abfahren. Ursprünglich hatte ich den Zeitpuffer als Backup für einmal Verlaufen eingeplant, was wirklich sehr einfach in Tokyo Station ist, doch glücklicherweise fand ich mich schnell zurecht.
Kyoto1_articleAuf eine Sitzplatzreservierung hatte ich verzichtet und begab mich an den Bahnsteigbereich der nicht reservierten Waggons. Außerhalb der Ferien- und Feiertagszeit sollten die Züge ja nicht allzu voll sein. Den Rest der Zeit verbrachte ich damit das Treiben am Bahnhof zu beobachten und mir die richtige Bento Box für meine Zugfahrt auszusuchen. Bento Boxen sind kleine bis große Boxen mit Essen drin. Für einen Europäer ohne große Japanischkenntnisse auch so etwas wie eine große Überraschungsbox. Man weiß erst nach dem öffnen was wirklich drin ist. Die Boxen sind meiner Meinung nach auch nicht unbedingt günstig. Hier kann man durchaus etwas sparen, indem man vorher in einem Konbini Store vorbeischaut und sich dort eine Mahlzeit kauft. Klar das ganze ist nicht direkt am Gleis und ist vielleicht auch nicht so schick verpackt. Es erfüllt aber seinen Zweck.

Kyoto6_articleIch saß dann also auf der Bank (es gibt tatsächlich einige wenige Sitzbänke am Bahnsteig!!!) und beobachtete wie ein Zug nach dem anderen in den Bahnhof ein- und wieder ausfuhr. Und auch wie die Reinigungskräfte ganze Züge in Rekordzeit auf Hochglanz polierten. Gefühlt alle 10 Minuten wischten Reinigungskräfte auch die Handläufe der Rolltreppen. Ich muss ehrlich sagen in Deutschland habe ich da noch nie jemanden wischen sehen. Überhaupt sehen die Bahnsteige hier aus als ob regelmäßig jemand mit Meister Proper durchwischt.

Kyoto8_articleAb ca. einer halben Stunde bevor der Zug kommt fangen die Menschen an sich am Gleis anzustellen. Aber nicht einfach irgendwo sondern in den vorgesehenen Warteschlangen Bereich von denen es an jedem Waggonende bzw. Anfang zwei gibt. Jeder weiß vermutlich wie das in Deutschland abläuft. In Japan scheint es keine Drängler zu geben.

An meinem Einsteigebereich wartete ich natürlich schön bis der erste Japaner sich anstellte damit ich als Unwissender nicht an vorderster Front stehen musste. Das erste mal war beobachten und lernen angesagt. Der Zug fuhr ein. Aussteigen musste niemand, da der Zug hier seinen Fahrtbeginn hatte. Doch als erstes rasten wieder die Reinigungskräfte durch und drehten die Sitze alle in Fahrtrichtung. Das nenne ich doch mal ein Feature! Hallo Deutsche Bahn, wie wärs damit? Die Reisenden blieben alle geduldig und ohne Murren stehen. Die Reinigungskräfte waren fertig und … die Reisenden standen immer noch. Erst als ein kleines Lämpchen auf Höhe das Zugdaches von Rot auf Grün umschaltete ging es los. Ich dachte mir nur kurz, „ein Glück hast du dich nicht als erstes angestellt“ und lief dem Mann vor mir hinterher. Bei Grün steigen die Leute dann aber richtig zügig ein. Im Zug habe ich die erste Gelegenheit auf einen Sitzplatz gleich genutzt und habe die Leute hinter mir erstmal durchgelassen bevor ich meinen Rucksack absetzte. Noch war der Waggon tatsächlich relativ leer. Es war ein einfaches den Rucksack nach oben auf die Ablage zu verfrachten. Also falls sich jemand fragt ob er seinen Rucksack auf die Ablage eines Shinkansen bekommt, dann sage ich kein Problem. Was man sofort spürt, ist dass der Zug gut gekühlt ist. Deswegen ein kleiner Tipp von mir. Auch wenn es draußen warm ist nimmt man am besten eine leichte Jacke oder ähnliches mit in den Zug. Eventuell wird es unterwegs doch zu frisch.
Kyoto5_articleDie Beinfreiheit in der zweiten Klasse des Shinkansen ist grandios. Meiner Meinung nach hat man hier so viel Platz wie in der ersten Klasse eines ICE oder IC in Deutschland. Theoretisch kann man auch noch Reisekoffer vor sich hinstellen und hat immer noch ausreichend Platz für die Beine. Dann gingen die Türen des Shinkansen zu und der Zug fuhr pünktlich ab. Ich machte es mir gemütlich und packte meine Bento Box und mein Getränk auf den großzügig ausklappbaren Tisch.

Kyoto7_articleEs dauerte nicht lange bis der erste Zugbegleiter das Abteil betrat. Natürlich habe ich darüber gelesen, dass Zugbegleiter beim betreten des Abteils sich erstmal verbeugen, aber es selbst zu sehen ist doch was anderes. Das ganze Auftreten ist um ein vieles freundlicher als bei den Kollegen der deutschen Bahn. Auch läuft ständig eine Servicedame mit ihrem Wägelchen durch die Waggons um Essen und Getränke zu verkaufen. Egal ob erste oder zweite Klasse.

Man merkt garnicht, dass der Zug fahrt aufnimmt und irgendwie auch nicht, dass man eventuell gerade 200 km/h + durch die Gegend fährt. Was aber, zumindest an dieser Strecke, in Japan deutlich auffällt. Es folgt Haus auf Haus auf Haus auf Haus. Weite Blicke auf Landschaften gibt es nicht. Aber gut, Japan hat durch die vielen Gebirge nicht viel Platz um Häuser zu bauen. Da wird das was an Landschaft da ist effektiv genutzt.

Von Bahnhof zu Bahnhof wurde der Zug immer voller. Auch neben mir nahm eine Frau mit riesen Koffer Platz. Und die Gepäckablagen wurden auch mehr und mehr in Beschlag genommen. Als dann der Zug schon auf der Einfahrt in den Bahnhof war, stand auch ich auf um meinen Rucksack von der Gepäckablage herunterzuholen. Schrieb ich oben noch, dass es kein Problem ist seinen Rucksack auf die Gepäckablage zu hieven, so sieht es anders aus wenn man ihn wieder herunterholen möchte. Vor allem wenn der Zug voll ist, sich die Rucksackgurte in den Spalten verheddern und die Schlange hinter einem länger wird und man nicht mehr so viel Platz hat sich zu bewegen. Und jeder weiß so ein Rucksack kann etwas sperrig sein. Also schnell fünf mal hintereinander entschuldigt und irgendwie aus dem Zug rauskommen. Das ist auch noch so etwas. Man sollte rechtzeitig in der Schlange stehen die den Zug verlassen möchte. Sonst kann es passieren, dass das hinauskommen sich aufgrund der Einsteigenden Schlange schwierig gestaltet. Für die nächste Fahrt nahm ich mir jedoch vor meinen Rucksack nicht mehr auf die Gepäckablage sondern hinter die letzte Reihe zu stellen, wo es immer etwas Platz für Gepäck hat.

Ich verließ den Kühlwagen…ähm gut gekühlten Waggon und lief gegen eine äußerst warme Wand. Es dauerte keine fünf Sekunden bis mir die ersten Schweißperlen den Rücken runter liefen. Hallo Kyoto! Dann hieß es Rucksäcke aufsetzen. Den Großen hinten und den kleinen vorne. Weiter ging das Abenteuer Unterkunft finden. Was einem am Bahnhof von Kyoto aber deutlich auffällt wenn man gerade aus Tokyo kommt. Die Menschen haben hier vom Tempo her mindestens einen Gang zurückgeschalten. Und im Vergleich zu Tokyo blicken hier die Menschen tatsächlich noch gerade aus und nicht aufs Smartphone. Selbst der Modische Unterschied fällt sofort auf. Der Business Stil weicht einem eher relaxten Casual Style. Ja ich bin kein Modeexperte, aber so würde ich es beschreiben. Und während in Tokyo helle Farben vorherrschen sind es in Kyoto Brauntöne.

Ich hatte nun die Wahl zwischen laufen oder mit der Metro eine Station zur Toji Station zu fahren und dann einen kurzen Fußmarsch zu meiner Unterkunft zu nehmen. Zumindest der Beschreibung nach. Mir war es zu warm. Ich entschied mich also dafür mit der gut gekühlten Metro zu fahren. Das ganze dauerte wie sich jeder denken kann nur nicht lange. Also auf wiedersehen gut gekühlte Metro. Aus der Bahnstation raus steht man also mitten in Kyoto. Und es wirkt tatsächlich mal komplett anders als Tokyo. Die vielen Hochhäuser sind kleineren älter aussehenden Häusern gewichen. Gut dachte ich mir, meine Unterkunft ist ja auch in einem älteren Viertel von Kyoto. Und zwar in einem 100 Jahre alten Ryokan. Smartphone mit Google Maps rausgeholt und los gehts. Immer geradeaus. Bis zu einer kleinen Kreuzung an der mich ein Fahrradfahrer von weitem schon erblickt und mir zuruft doch bitte kurz zu warten. Verdammt, was habe ich jetzt gemacht fährt es mir durch den Kopf. Ok… Ich warte.

Und ich hatte nichts falsch gemacht. Da ich ja, auch durch meine Rucksäcke vorne und hinten, von weitem stark nach Tourist aussah, wollte der Fahrradfahrer mittleren Alters sich einfach mit mir auf englisch unterhalten um zu üben. Man sollte wissen, Japaner sind was das reden auf englisch angeht doch eher zurückhaltend. Deshalb war ich leicht erstaunt, weil ich so was überhaupt nicht erwartet hatte. Und nicht nur in diesem Gespräch stellte ich fest, dass man als westlich aussehender Mann zuerst für einen Amerikaner gehalten wird. Doch sagt man, dass man Europäer ist sind die Menschen ganz erstaunt und meiner Erfahrung nach noch einen Tick offener.Kyoto2_articleNach der netten Unterhaltung ging es weiter in Richtung meiner Unterkunft. Einmal abgebogen und die Häuser wurden alle doch deutlich älter und hatten für mich auch einen besonderen Charme. Was aber sofort auffällt, die Häuser stehen dicht an dicht und sind vorwiegend aus Holz. Was bei einem möglichen Brand passieren könnte, kann sich da jeder selber vorstellen. Aber wenn meine Unterkunft schon 100 Jahre steht, wird sie auch noch fünf weitere Tage überstehen. Wenn man sich so eine Unterkunft in einer Traditionellen Nachbarschaft aussucht muss man sich bewusst sein, dass man sich zurückhaltend verhält um die Nachbarn nicht zu verärgern. Und die Japaner sind an sich ja ein sehr leises Volk.

Da stand ich dann also vor meinem Haus. Die Haustüre war eine einfache Schiebetür mit Zahlenschloss abgeschlossen zu der ich vorher den Code bekam. Zuerst ist das ganze etwas komisch, aber man gewöhnt sich schnell daran. Im Haus war es ordentlich warm. Ich wollte mir garnicht ausmalen wie warm es hier erst im Sommer sein würde. Aber glücklicherweise gab es ausreichend Ventilatoren und Klimaanlagen. Es dauerte auch nicht lange bis meine Gastgeberin kam und mir eine Einweisung gab. Ging ich davon aus, dass auch noch andere Menschen hier untergebracht sind, erfuhr ich nun dass ich das ganze Haus für die nächsten fünf Tage für mich alleine habe. Ok… auch nicht schlecht. Ich war im zweiten Stock untergebracht und musste zuvor meinen Rucksack auf verdammt schmalen Stufen hochtragen. Eine weitere Gefahr bestand darin sich den Kopf an der Decke über der Treppe anzuschlagen die nur hier ziemlich tief war. Die Chance konnte ich mir selbstverständlich nicht entgehen lassen. Vollgas voraus sage ich da nur. Der Boden des Zimmers war komplett mit dem traditionellen Tatami (Bodenmatten aus Reisstroh) verlegt. Da das ganze nicht sehr billig ist, will man natürlich nicht derjenige sein der ihn beschädigt und geht am Anfang äußerst vorsichtig vorwärts.

Kyoto4_articleNachdem ich mich etwas eingerichtet hatte war Abendessen angesagt. Ich wurde zu einem größeren Japanischen Abendessen eingeladen. Die vielen Namen überstiegen jedoch mein Aufnahmevermögen, weswegen ich sie leider nicht wieder geben kann. Es war aber eine Art Ei-Suppe aber in fester Konsistenz, Auberginen mit einer leckeren Sauce übergossen, frittiertes allerlei, Sojabohnen und Sushi. Alles beinahe kunstvoll in schönen Schälchen serviert. Ein Kleiner Tipp noch am Ende. Vor dem Bahnhof gibt es jeden Abend eine Wasser Illuminationsshow zu unterschiedlichen Zeiten. Ich habe die hier jetzt zwar kläglich festgehalten, aber ist sie schön anzuschauen.
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