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Lechquellenrunde – Von der Freiburger Hütte zur Göppinger Hütte

Die Lechquellenrunde ist eine fünftägige Wanderroute im österreichischen Vorarlberg. Bei Lech und Zürs am Arlberg gelegen, geht es von der Stuttgarter Hütte über die Ravensburger Hütte, der Freiburger Hütte zur Göppinger Hütte und schließlich zur Biberacher Hütte. Den vorherigen Teil noch nicht gelesen? Von der Ravensburger Hütte zur Freiburger Hütte.  

Das beste Hüttenfrühstück?

Die Nacht über hatte es etwas geregnet und der Blick am frühen Morgen aus dem Fenster war ebenfalls noch wolkenverhangen. Ich selbst schien mich dem Wetter anzupassen. Auch wenn ich die obere Etage eines Doppelstockbettes (was ja in etwa ein Jackpot ist) hatte, kam ich nur sehr träge aus den Federn. Meine Trägheit verflog aber glücklicherweise am Frühstücksbuffet wieder. Frische Brötchen, frisches Brot, verschiedene Brotaufstriche, Käse, Wurst, verschiedene Müslisorten, Rührei mit Speck, Kuchen, Kaffee, Tee, und noch vieles mehr. Ich wusste garnicht wo ich anfangen sollte. Das Frühstück auf der Freiburger Hütte war wirklich top.

Nach dem ausgiebigen Frühstück ging es ans Rucksack packen. Draußen regnete es zwar nicht, es machte jedoch den Eindruck als wollten die Wolken jeden Moment loslegen. Also ging es zum ersten mal auf der Tour mit Jacke los. Zudem wehte ein frischer Wind. Zwei Wege standen zur Auswahl. Der eine führte über einen Schotterweg runter zum Formarinsee und am selbigen entlang, der andere führte oberhalb des Formarinsees entlang. Beide Wege vereinigen sich kurz vor der Formarinalpe wieder. Wir entschieden uns für den etwas kürzeren Weg oberhalb des Formarinsees. Der schmale Weg war an vielen Stellen aufgeweicht vom Regen und matschig. Die kurzen Felspassagen waren etwas rutschig aber zusätzlich auch mit Drahtseilen versichert. Also alles in allem kein großes Problem.article_lechquellenrunde_Tag4_1An der Stelle wo beide Wege sich wieder zusammenfinden ist eine Haltestelle für den Wanderbus der auch am Spullersee hält. Der Weg geht in eine befestigte Straße über und führt unter anderem auch nach Zug. Wir kommen hier an der Lechquelle vorbei die der Namensgeber für diese Wanderrunde ist. Der Fluss Lech hat also hier seinen Ursprung und fließt etwas hinter Augsburg dann in die Donau.article_lechquellenrunde_Tag4_17

Steile Wege

Hinter der Formarinalpe geht es wieder auf den E4 Fernwanderweg in Richtung Göppinger Hütte. Der Weg steigt knackig steil an. Von 1871 Metern geht es relativ schnell bis auf ca. 2050 Meter bis zum Obergschröf hoch. Die Jacke landet natürlich recht zügig im Rucksack. Davor lassen wir die Abzweigung zum Walsertal links liegen und orientieren uns natürlich weiter an der Göppinger Hütte. Vorbei am unteren Johannesjoch führt der Weg durch erste Altschneefelder die aber harmlos sind. Eine kurze Stahlseilversicherte Kletterpassage unterhalb des Schönbühel führt uns zum oberen Johannesjoch auf 2037 Metern. Ja das obere Johannesjoch liegt tiefer als das untere Johannesjoch. An der Kletterpassage ist ausweichen bei Gegenverkehr nur an wenigen Stellen möglich.

article_lechquellenrunde_Tag4_4 article_lechquellenrunde_Tag4_7 article_lechquellenrunde_Tag4_6 Am oberen Johannesjoch legen wir unsere erste Pause ein und stärken uns. Da der Wind aufgrund der Beschaffenheit der Berge ordentlich durchpfeift wird die Jacke wieder ausgepackt und angezogen. Einige Schlücke Tee später geht es auch schon wieder weiter. Von 2037 Metern geht es auf einem teilweise sehr steilen Serpentinenweg hoch bis auf 2381 Meter. Unterwegs habe ich natürlich so ziemlich alles verflucht was mir in den Sinn kam. Auf dem Weg nach oben wechselten sich die Wolken immer wieder mit der Sonne ab. Wahrscheinlich kam es nur mir so vor, aber ich hatte das Gefühl, dass immer genau an den steilsten Passagen die Sonne hervor kam. In der Jacke verpackt brachte mich das ordentlich zum schwitzen. Die Wahl bestand zwischen Jacke an lassen oder immer wieder an und ausziehen. Da es doch recht frisch wurde wenn die Sonne weg war entschied ich mich dafür die Jacke an zu lassen. Man will ja nicht krank werden.
article_lechquellenrunde_Tag4_8 article_lechquellenrunde_Tag4_9Die steilen Serpentinen ließen wir hinter uns und genossen erstmal für ein paar Minuten den Ausblick zum Spullersee vor uns. Über ein kurzes Plateau von Geröll und Felsen ging es schließlich eben auf dem Weg weiter. Man sah natürlich schon das weiter vorne Altschneefelder lagen. Ich stieß ein paar Stoßgebete in Richtung Himmel, dass der Weg irgendwo um den Schnee herum führen möge, doch leider wurden sie nicht erhört. Die Schöne blaue Wegmarkierung endete direkt am Schneefeld das steil hinauf führte. Da nirgendwo Fußspuren zu sehen waren schauten Michael und ich uns erstmal um und versuchten ein paar Tritte in den Schnee hinein. Da es aber von unten so aussah, als ob oben weiter ein Abhang sein könnte wollten wir hier nicht auf dem Schnee weiter gehen.

Wir gingen also die paar Schritte wieder zurück und gingen einige Meter weiter auf dem Geröll entlang bis wir an einem Abhang waren auf dem wir auf den Serpentinenweg auf dem wir hochkamen sehen konnten. Nun führte hier neben dem Schneefeld glücklicherweise noch ein „Weg“ ohne Schnee entlang. Der Weg war allerdings steil, matschig, rutschig und mit Geröll durchsetzt. Einige Ausrutscher später und außer Atem waren hatten wir es geschafft. Hier sahen wir auch wieder die blauen Wegmarkierungen.article_lechquellenrunde_Tag4_5article_lechquellenrunde_Tag4_11

Schnee, Schnee, Schnee

Was wir auch sahen war, dass die Johanneswanne durch die wir mussten Schneebedeckt waren. Fußspuren an denen wir uns orientieren konnten gab es keine, aber zum Glück kleine Felsinseln die aus dem Schnee herausragten und auf denen Wegmarkierungen zu sehen waren. So wateten wir also durch den Schnee, was einem mit der Zeit echt auf die Nerven geht da man teilweise tief in den Schnee einsackte. Auf einer der Felsinseln legten wir nochmal eine Pause ein, die 2524 Meter hohe Schwarze Wand im Rücken.article_lechquellenrunde_Tag4_10Es folgte dann der wohl anspruchsvollste Teil der ganzen Wanderstrecke. Ist man in der Johanneswanne muss man ja auch wieder aus dieser raus. Bei idealen Bedingungen, sprich kein Schnee, ist der Weg der nun vor uns lag wahrscheinlich relativ harmlos. Doch mit Altschnee durchaus eine Herausforderung. Vereiste Schneeblöcke versperrten immer wieder den normalen Wanderweg was uns hier und da zu kleineren Kraxeleien zwang. Oder wir mussten quer über einige Meter lange und steile Schneefelder gehen. Teilweise hatten wir gerade so viel Platz, dass wir einen Fuß vor den anderen für ausreichend sicheren Halt in den Schnee treten konnten. Bei einer blöden Bewegung würden wir unfreiwillig vermutlich zwei- bis dreihundert Meter auf dem Schnee in die Johanneswanne rutschen.article_lechquellenrunde_Tag4_12article_lechquellenrunde_Tag4_15Bei solchen Wegen sollte man am besten nicht nach unten schauen sondern sich einfach nur auf den Weg und den nächsten Tritt konzentrieren. Ich Idiot musste jedoch natürlich einen Blick riskieren und nach unten sehen. Mitten auf dem Schneefeld setzte sich mein Kopfkino in Gang. Was wäre wenn? Ich bekam ordentlich Schwitzwasser. Eigentlich wollte ich garnicht mehr weiterlaufen. Doch was macht man dann am besten? Auf seine Füße und den Weg vor sich gucken, fünf mal kräftig durchatmen und weitergehen. Ans fotografieren dachte ich auf diesem Teil des Weges überhaupt nicht.article_lechquellenrunde_Tag4_13article_lechquellenrunde_Tag4_14

Am Ziel

Als wir die Johanneswanne hinter uns lassen konnten und wieder oben ankamen sah man schon die Göppinger Hütte. An der Felskante oben angekommen bot sich uns ein tolles Panorama dar. Hier waren noch genau zwei Wegmarkierungen zu sehen danach hieß es, „Hallo Weg, wo bist du?“. Zwei Möglichkeiten hatten wir wieder. Auf der Kante die etwas weiter mit Schnee bedeckt war weiter oder runter in die vielen Schneefelder. Da es an der Felskante doch ziemlich nach unten ging und man bei Schnee ja nie weiß, entschieden wir uns nach einigen Minuten des überlegens, für die vielen Schneefelder. Einmal sackte ich bis zur Hüfte ein aber sonst war der Weg harmlos. Der Schnee wurde weniger und über kleine Auf und Abs kamen wir an der Göppinger Hütte an.article_lechquellenrunde_Tag4_16Später am Abend unterhielten wir uns noch mit anderen Wanderern über die Strecke. Einer rutschte an einer engeren Stelle tatsächlich etwas ab. Zwei Meter ging es für ihn Bergab. Passiert ist ihm aber zum Glück nichts. Wir unterhielten uns auch über den nervigen Schnee und das es nicht ganz so leicht war sich zu orientieren. Wir bekamen nur ein „ach so schlimm wars garnicht, waren ja überall Spuren“ zu hören. Natürlich, die hatten wir ja auch gelegt. Wir hatten interessante Unterhaltungen über Gott und die Welt im wahrsten Sinne des Wortes und wollten als die Nachtruhe näher kam eigentlich noch garnicht schlafen gehen.

Infos: 
Wanderkarte
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Freiburger Hütte 
Geöffnet von Juni bis Oktober 
20 Zimmerbetten 
100 Matratzenlager 
12 Schlafplätze im Winterraum Website
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