Tag: Glitterheim

DAS sind Geröllsteine

Losgelaufen im Jotunheimen – 4

4. Tag

Es regnet … mal wieder

So gegen 8 Uhr früh wache ich auf. Zu aller erst mache ich mich über mein morgendliches Müsli her. Nachdem ich fertig bin fange ich an meine Sachen in den Rucksack zu packen. Und natürlich fängt es genau dann kräftig zu regnen an. Der Wind mischt natürlich auch wieder mit. Also heißt es nun erstmal die Zeit ein wenig zu vertreiben. Ich studiere wieder die Landkarten für den heutigen Weg. Die Besteigung des Glittertinden fällt nun aber endgültig flach. Auch weil es einfach zu bewölkt ist und ich dann sowieso keine Aussicht hätte. Da wären die Mühen umsonst gewesen.

Glitterheim lasse ich hinter mir
Glitterheim lasse ich hinter mir

Heute fällt es mir irgendwie schwer

So gegen 14 Uhr komme ich, nachdem alles eingepackt ist, endlich weg und begebe mich auf meinen Weg nach Spiterstulen. Hin und wieder lugt die Sonne hervor, doch der immer noch recht kräftige Wind sorgt schnell dafür, dass sich Wolken davor schieben. Im vorbeigehen an der Touristenhütte in Glitterheim sehe ich noch wie ein paar Wanderer den Weg zum Glittertind einschlagen. Schnee lag da jedenfalls genug. In mir macht sich das Gefühl breit die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Hinter Glitterheim geht es das Veodalen in Richtung Veslglupen gemächlich bergauf.

Über sieben Brücken musst du gehn ...
Über sieben Brücken musst du gehn …
Der Weg ist gut bewässert
Der Weg ist gut bewässert

Zuerst wie schon am Russvatnet durchs Gestrüpp, der Weg ist ordentlich überflutet. Und natürlich, kommt auch hier wieder genau in diesem Moment die Sonne voll durch. Und es wird wieder warm. Um meinen Rucksack abzusetzen um meine Jacke ausziehen zu können, habe ich nicht genug Platz. Also geht es von Stein zu Stein und auch von Ast zu Ast durchs Gebüsch. Als ich den „Dschungel“ hinter mir lasse und der Weg wieder normaler wird ist die Sonne auch schon wieder weg und es wird frisch. Was das Timing mit dem Wetter hier angeht habe ich irgendwie den Jackpot gezogen denke ich mir.

Die Aussicht gefällt mir natürlich wieder
Die Aussicht gefällt mir natürlich wieder
Die Wolken sind heute besonders schnell auf der Durchreise
Die Wolken sind heute besonders schnell auf der Durchreise

Der Weg ist nun eigentlich recht angenehm zu laufen. Es geht nur mäßig steil hinauf. Allerdings fällt es mir heute irgendwie trotzdem schwer, weshalb kann ich mir nicht erklären. Die Wolken ziehen wieder einmal immer mehr zu und es wird frischer. Also Mütze und Handschuhe raus. Schon besser. An einer sehr prominent platzierten T-Markierung mitsamt Steinmann mache ich eine kurze Rast und gönne mir eine gute Laune Salametti.

Zu dem Zeitpunkt vermutlich die coolste Sau im ganzen Nationalpark ;)
Zu dem Zeitpunkt vermutlich die coolste Sau im ganzen Nationalpark 😉

 

Da erkenne ich wie unter einem Stein etwas hervorlugt. Aus irgend einem Grund kam mir der Gedanke Geocache in den Sinn? Eigentlich bin kein Geocacher, aber wenn da vielleicht einer ist schau ich doch mal nach. Stein aufgehoben und … schnell wieder fallen gelassen. Eine Damenbinde. Na danke. Ein paar Flüche verlassen schnellstmöglich meinen Mund. Geocaching ist für mich gestorben. Dass es doch immer wieder Leute gibt, die ihren Müll einfach liegen lassen … schade. Auf meiner Tour ist mir leider insgesamt doch viel an liegen gelassenem Müll begegnet.

Und wieder kleine und größere Seen Abseits des Weges
Und wieder kleine und größere Seen Abseits des Weges
Der Gletscher Veobrean  im Blickfeld
Der Gletscher Veobrean im Blickfeld

Es wird noch richtig anstrengend

Es fängt leicht an zu nieseln, weshalb ich mich daran mache weiter zu laufen. Im gehen ist es erträglicher wenn ich nass werde. Doch zu meinem Glück drohen die Wolken mit der Nieselei nur ordentlich. Richtiger Regen prasselt nicht auf mich herab. Ganz im Gegenteil, sie machen sich mehr und mehr vom Acker und die Sonne kommt wieder heraus. Es wird angenehm war und ich kann meine Jacke einpacken. Doch der ein oder andere wird es sich nun sicherlich schon denken. Auf meiner Tour kommt die Sonne nicht einfach nur so heraus, sondern genau dann wenn es anstrengend wird. Ich erreiche die Veslglupen. Zuerst geht es über kleinen und größeren Fels etwas steil hinauf. Ok geht noch. Es geht also weiter. Voll konzentriert auf den Weg erschreckt mich einer dieser Mountain Runner, der an mir vorbeirast. Und wieder suche ich instinktiv nach der versteckten Kamera. Ich bin mir sicher, dass ich im ersten Moment wieder recht blöd geschaut haben muss. Kann doch nicht sein, dass ich mich hier heute so abmühe und ein anderer geradezu federleicht über die Steine hinweggleitet. Aber keine Kamera. Ich schaue dem „Raser“ also hinterher und staune natürlich.

DAS sind Geröllsteine
DAS sind Geröllsteine
Und das auch
Und das auch

Dann nehme ich zum ersten mal DAS Geröllfeld wahr. Verdammt große Steine die den Eindruck erwecken als ob sie jede Sekunde den Hang hinunter rollen. Und da soll ich jetzt rüber? Rucksack runter, ein kleiner Happen und etwas trinken. Danach verstaue ich meine Trinkblase vorne in der Kameratasche. In diesem Geröllfeld werde ich meinen Rucksack nicht absetzen können. Rucksack wieder geschultert und auf den ersten Stein und … der wackelt gewaltig! Dann muss es halt ein anderer sein. Der wackelt jedoch auch. Aber der „Weg“ will bezwungen werden. Umdrehen gibt es nicht sag ich mir. Irgendwie schaffe ich es rüber. Zwischendrin nehme ich das direkt anschließende Altschneefeld wahr. Als ich davor stehe kommt es mir so vor als ob es eine 80% Neigung hat. Wirklich mit jedem Schritt sacke ich ein ganzes Stück ein und rutsche wieder nach hinten. Also ramme ich meine Wanderstöcke tiefer in den Schnee um mich an ihnen besser hochziehen zu können. Klappt einigermaßen. Jedenfalls ist es verdammt anstrengend und ich verfluche sämtlichen Schnee. Zwei Norweger kommen mir entgegen die nach unten wollen. Wirklich gelaufen sind sie jedenfalls nicht. Das war mehr ein durchrutschen. Oben angekommen heißt es erstmal auf die Stöcke gestützt verschnaufen. Dann blicke ich zurück und frage mich ernsthaft ob ich, wenn ich die Tour andersherum gegangen wäre, hier jemals runter gekommen wäre. Die Sonne ist weg und es frischt auf. Es nieselt wieder ein bisschen. Aber das soll mir jetzt egal sein, es geht weiter.

Noch ist nicht richtig auszumachen, was in den nächsten Stunden vor mir liegt
Noch ist nicht richtig auszumachen, was in den nächsten Stunden vor mir liegt
Bis ich schließlich erkenne, dass Geröll wieder in Massen vorhanden ist
Bis ich schließlich erkenne, dass Geröll wieder in Massen vorhanden ist

Schlimmer kann es heute sicherlich nicht mehr werden. Tja… falsch. Also wirklich schlimmer war es nicht. Aber anstrengend. Im Vergleich zum Geröllweg gestern nach Glitterheim ist das was da nun vor mir liegt nochmal eine ganze Spur mehr an Geröll und auch deutlich größer. Und natürlich noch mehr Altschneefelder. Oh wie ich sie hasse.

Die Berge um mich herum wissen aber Eindruck zu schinden
Die Berge um mich herum wissen aber Eindruck zu schinden
Und die verhassten Altschneefelder sind auch wieder zu erkennen
Und die verhassten Altschneefelder sind auch wieder zu erkennen

Vorbei an den kleinen Seen Veslgluptjonnen im Schatten der Berge und durch unzählige Mückenschwärme geht es nun leicht Bergab durchs Skautflye. Einige Seen zu meiner linken und eine schön anzusehende Bergkette. Ist der Weg auch noch so anstrengend, ich habe mir vorgenommen trotzdem meine Bilder zu machen.

Die Lichtstimmung wird interessant
Die Lichtstimmung wird interessant
Die Wolken sorgen für difuses Licht
Die Wolken sorgen für difuses Licht

Natürlich fällt mir der Weg jetzt insgesamt noch schwerer. Ich glaube eine Schnecke wäre nun schneller unterwegs gewesen als ich. Heute soll irgendwie nicht mein Tag sein. Immer mal wieder klart es auf nur um kurz danach wieder bewölkt zu werden.

Ein wenig lässt sich erkennen, dass vorne weiter ein Tal sein muss
Ein wenig lässt sich erkennen, dass vorne weiter ein Tal sein muss

Spiterstulen kommt näher

Von weitem sieht man hier schon, dass ein Tal auf mich wartet. Jedoch zieht sich der Weg gewaltig. Doch auch ich komme dann irgendwann zum Skautkampen und nach einer langgezogenen Kurve sehe ich Spiterstulen. Sieht schon cool aus so von hier oben. So knapp 400 Höhenmeter geht es nun aber noch runter. Als ich dann kurz vor der asphaltierten Landstraße bin die nach Spiterstulen führt schalte ich meine Konzentration ab. Der Weg ist ja nun auch total harmlos. Ein Staubiger Weg und hier und da etwas Schutt. Eine kurze eigentlich nicht nennenswerte Steilpassage und… da liege ich. War ja klar, dass ich an so einer einfachen Stelle wegrutsche.

Spiterstulen im Visdalen und der Visa in Sicht
Spiterstulen im Visdalen und der Visa in Sicht

Ich stehe auf und wische den Staub von meiner Hose. Gut besser ich rutsche hier weg wo nichts passiert, als irgendwo auf einem Berg. Ich erreiche die asphaltierte Straße und komme mir vor wie der erste Mensch der das Laufen für sich entdeckte. Nachdem ich nahezu die letzten beiden Tage spitze Steine unter den Füßen hatte, war das nun ein etwas komisches Gefühl. Meine Beine fühlten sich an wie Gummi. Vor Spiterstulen gab es einige Zeltplätze. Einer davon sollte meiner werden. Das erste was ich tat war meine Schuhe auszuziehen und die Füße ins Kalte Wasser des Visa zu halten. Herrlich erfrischend. Danach war nur noch Zelt aufbauen und Abendessen angesagt. Und wieder wird es wieder bewölkter. Ich schau zu den Wolken und bin mir schon fast sicher, heute Nacht wird es sicherlich wieder regnen.

Die ersten richtigen Altschneefleder tauchen auf

Losgelaufen im Jotunheimen – 3

Interessantes Wetter

Kurz vor sechs Uhr wache ich auf. Draußen geht etwas der Wind, aber es regnet nicht mehr. Letzte Nacht hatte es nämlich irgendwann angefangen zu regnen und ich befürchtete schon wieder länger im Zelt zu sitzen. Ein Glück kam es aber etwas anders.

Mein geräumiges Eigenheim in Norwegen
Mein geräumiges Eigenheim in Norwegen

Ich steige aus dem Zelt und es kommt sogar die Sonne zum Vorschein. Jedoch immer nur für kurze Zeit, da die Wolken sich immer wieder davor schieben. In Richtung Styggehobreatinden hängen die Wolken jedoch ziemlich tief und ich kann auch erkennen, dass die Wolken schon abregnen. Ich befürchtete schon, dass die Wolken nun direkt zu mir ziehen würden. Eine ganze halbe Stunde verbrachte ich damit den Wolken bzw. dem Wetter zuzusehen. Das ist auch ein recht interessantes Schauspiel mit welcher Geschwindigkeit die Wolken hier ziehen. Zu meinem Glück zieht der Regen Südöstlich an mir vorbei in Richtung Besfjellet. Also dort, wo ich gestern eine ganze Ladung Wasser von oben abbekam. Ich fange also an meine Sachen zusammenzupacken und das Zelt abzubauen. So ca. 30 Meter weiter war ein Bach, zu dem ich erstmal gehe um mein Müsli zu essen und die Wasservorräte aufzufrischen und mich auch zu waschen. Zum Glück kam die Sonne nun vollends hervor, das machte es etwas erträglicher auch wenn der Wind noch etwas ging. Trotzdem dieses kalte Wasser weckt in einem die müden Lebensgeister wieder kann ich nur sagen.

Es lohnt sich auch mal zurückzublicken
Es lohnt sich auch mal zurückzublicken

Eine Buschwanderung

Nachdem ich mit allem fertig bin solls aber dann wirklich losgehen. Der Weg führt bei Sonnenschein entlang des Russvatnet. Zuerst geht der Weg angenehm auf und ab und führt an einem kleinen Kiesstrand vorbei.

Mein Strand, möchte man fast sagen
Mein Strand, möchte man fast sagen
Zum Baden ist es aber etwas zu kalt
Zum Baden ist es aber etwas zu kalt

Natürlich muss ich die Gelegenheit beim Schopfe packen und die Kamera sofort aus der Tasche holen. Die Landschaft ist einfach wieder eine Augenweide. Dann führt der Weg durch sumpfiges teilweise Hüfthohes Gestrüpp. So eine scheiße murmel ich vor mich hin.

Das Gras wird schon höher
Das Gras wird schon höher
Es blüht sogar was
Es blüht sogar was

Natürlich wird es genau zu diesem Zeitpunkt auch noch nahezu Windstill. Das bedeutet, dass die Mücken wieder zahlreich hervorkommen. Noch dazu ist es in diesem „Busch“ irgendwie deutlich wärmer. Der komplette Weg durchs Gestrüpp ist mit Wasser überflutet. Teilweise versinkt man nahezu knöcheltief im Matsch. Um diesem Problem weitestgehend aus dem Weg zu gehen, versuche ich auf den Flechten und Ästen die auf dem Matsch schwimmen zu laufen. Dadurch versinke ich weniger tief. Zwei kleinere Bäche müssen mit Brücken überquert werden. Bis der Weg dann wieder weitestgehend normal wird.

Auch nach links oder rechts zu blicken lohnt sich
Auch nach links oder rechts zu blicken lohnt sich
Nach Glitterheimen soll es heute gehen
Nach Glitterheim soll es heute gehen

Über Stock und Stein und vielleicht durch Wasser?

Nach einiger Zeit führen mich die T-Zeichen zu meinem ersten größeren Geröllfeld. Ich mache davor erstmal eine kleinere Pause um ein bisschen was zu essen. Die Zeit nutze ich auch gleich um mein T-Shirt etwas zu trocknen. So ca. 15 Minuten später geht es weiter.

Das erste größere Geröllfeld
Das erste größere Geröllfeld

Die Geröllfelder die ich hier kennenlerne sind deutlich anspruchsvoller als die, die ich bisher aus den Alpen kannte. Sie sind deutlich größer und erfordern dadurch auch deutlich höhere Schritte. Zudem sind die meisten Steine ziemlich wackelig. Also volle Konzentration um nicht irgendwo mal blöd abzurutschen. Nach weiteren ungefähr 15 Minuten führen die T-Zeichen einen über den Tjonnholae oder vielmehr sollte es so sein. Dort wo wahrscheinlich eine Brücke sein sollte kann ich nur noch ein längeres Brett im Bachbett erkennen. Na gut dann wird der Bach halt über Steine überquert. Blöd nur, dass es in den letzten Tagen ja etwas mehr geregnet hat. Das heißt wiederum der Bach hat ziemlich viel Wasser das schnell den Hang hinunterfließt. Und im Wasser sind die Steine wie sicherlich jeder weiß sehr rutschig. An den meisten Stellen in der Nähe geht es Steil direkt ins Wasser. Also keine Chance für mich da irgendwie rüber zu kommen. Ein paar wenige Stellen gibt es die flacher sind an denen ich mich auch versuche. Ich mache den ersten und teilweise zweiten Schritt, muss aber abbrechen, da ich mich jedes Mal schon im Wasser liegen sehe. Die Strömung ist ziemlich stark. Ok, also wieder zurück ans Ufer. Da stehe ich nun gestützt auf einen Wanderstock und schaue mich um. Was mache ich jetzt? Schuhe aus, meine Sandalen an und dann den Rucksack versuchen rüber zu werfen und dann selbst rüber? So richtig Lust habe ich dazu keine, das Wasser ist eiskalt. Da erkenne ich ca. 150 Meter weiter unten Schafe auf der anderen Seite. Also wenn dort Schafe sind, dann müssten die doch auch mal irgendwann irgendwie auf die andere Seite gekommen sein kommt mir der Gedanke. Ich entschließe mich dazu in Richtung der Schafe zu gehen. Wieder über Geröll natürlich. Und als ich schon fast bei den Schafen bin erkenne ich tatsächlich eine improvisierte Brücke. Über schmale eigentlich nicht sehr stabil wirkenden Brettern geht es rüber. Na also, geht doch.

Hier ziehen die Wolken gerade wieder zu
Hier ziehen die Wolken gerade wieder zu

Nur über Geröll zum Ziel?

Ich mache mich auf zum ersten T-Zeichen auf dieser Seite und setze meinen immer steiler werdenden Weg nach oben fort. Oben am Hang angekommen wo man erstmals eine kleinere ebene Fläche vorfindet dachte ich erstmal an eine kurze Pause. Just in dem Moment zieht kalter Wind auf und es fängt an zu nieseln. Also keine Pause. Jacke an und weiter gehts. Der richtige Regen bleibt aber zum Glück aus. Trotzdem ist es im Zusammenspiel mit dem kalten Wind nicht sehr gemütlich. Der Weg führt in einem Auf und Ab über größere und kleinere Steine um den Berg in Richtung Vestre Hestlaegerhoe. Zwischendrin drehe ich mich mal um, auch um zu sehen wo ich hergekommen bin. Drei Gestalten kann ich da kurz vor dem Geröllfeld ausmachen. Ich gucke ein Weilchen zu und dann wahrscheinlich irgendwann richtig blöd aus der Wäsche. Drei Norweger, wie ich dann etwas später als sie mich noch überholten hören konnte, taten sich das Geröllfeld nicht an sondern gingen auch an der Brücke mit den Schafen einfach weiter bis sie das Geröllfeld hinter sich gelassen hatten und dann hoch zum Hang. Oh wie kam ich mir blöd vor. So ist das halt wenn man sich an die T-Zeichen zu halten versucht. Die drei kamen mir in einem Affenzahn immer näher und dann an mir vorbei. Und im gleichen Affenzahn waren sie dann auch schon wieder weg. Norweger sind für mich ja wahre Wandervirtuosen, Hut ab.

Nur über Geröll!

Ein Erinnerungsfoto und dann geht es weiter
Ein Erinnerungsfoto und dann geht es weiter

Es geht also weiter und ich sehe was? Ein Meer an Geröll das nicht enden will. Aber wenn ich schon mal hier bin stapfe ich natürlich auch los. Immerhin war der Nieselregen schon wieder vorbei, lediglich windig war es noch.

Noch sind die Steine kein großes Problem
Noch sind die Steine kein großes Problem

Unterwegs treffe ich auf einen Polen, der in Oslo wohnt und arbeitet und unterhalte mich mit ihm unter anderem über die schnellen Norweger. Er erzählte zum Beispiel, dass er mitlerweile am liebsten alleine wandert, einfach wegen des Tempos. Zwei norwegische Freunde die er fürs wandern begeistern konnte wären laut ihm nun zu Gipfelstürmern geworden bei denen nur noch die Geschwindigkeit zählt. Auf das hat er aber keine Lust. Kann ich durchaus verstehen. Er war auch auf dem Glittertinden, der für mich bis dahin auch noch eine Option war, aber meinte aufgrund des Wetters war es ein Reinfall. Durch die ganzen Wolken sieht man einfach nichts.

Nach der kurzen und netten Unterhaltung ging es für mich weiter den Vestre Hestlaegerhoe hinauf. Für Ihn nach Memurubu. Genau in dem Moment als die Geröllsteine größer werden und der Weg steil kommt die Sonne heraus und der Wind stellt seine Arbeit ein. Die Sonne knallt ordentlich herunter. Beim hoch quälen kommt mir der Gedanke, Meteorologe für den Jotunheimen Nationalpark muss ein easy Job sein. Mit der Wetter Vorhersage „wechselhaft“ trifft man immer ins schwarze.

Die ersten richtigen Altschneefleder tauchen auf
Die ersten richtigen Altschneefleder tauchen auf

Natürlich wartet dort oben auch ein Altschneefeld noch auf mich. Zuerst ging meine Hoffnung in die Richtung, dass ich da bestimmt nicht drüber muss, sogar ganz bestimmt nicht. Aber irgendwann erkennt man dann eben Fußspuren im Schnee und hat Gewissheit. Also juhu ein Altschneefeld. Bei jedem Schritt rutscht man etwas nach hinten und bei jedem zweiten Schritt sackt man etwas ein. Das macht das ganze richtig anstrengend. Folgt man den Spuren muss man auch noch wie ein Model auf dem Laufsteg einen Fuß vor den anderen setzen. Ich weiß nicht wieso, aber Spuren die einigermaßen eine normale breite für normales gehen haben gibt es nicht. Und neben den Spuren zu gehen ist meistens auch keine Option. Entweder ist da der Schnee zu weich und man sackt noch mehr ein oder er ist zu hart, sodass man einfach keinen Halt findet. Ich weiß nur eins, ohne meine Wanderstöcke wäre ich etwas aufgeschmissen. Meine Hoffnung geht da hin, dass nach dem Altschneefeld doch bitte ein einigermaßen normaler Weg kommen möge.

Der anstrengendste Teil der heutigen Wanderung
Der anstrengendste Teil der heutigen Wanderung

Aber nichts da. Oben angekommen geht es natürlich über Geröll weiter nach unten in Richtung Glitterheimen. Zwischendrin immer wieder Altschneefelder. Durch die meisten rutscht man mehr als man geht. Trotz allem richte ich immer wieder beide Augen auf die Landschaft, bleibe stehen und fotografiere.

Immer wieder gönne ich mir kleine Fotografiepausen
Immer wieder gönne ich mir kleine Fotografiepausen

Ich bin etwas geschafft

Von weitem kann ich auch schon Glitterheimen erkennen. Ganz bis dorthin werde ich heute nicht mehr gehen. Ich suche mir noch vor der großen Hängebrücke einen Platz für mein Zelt. Trotzdem muss ich einfach einmal rüber und wieder zurück. Eine recht wackelige Angelegenheit.

Das Veodalen bietet eine Traumhafte Aussicht
Das Veodalen bietet eine Traumhafte Aussicht

 

Einmal über die Brücke und dann wieder zurück
Einmal über die Brücke und dann wieder zurück

Zum ersten mal bin ich etwas geschafft. Aber garnicht so sehr physisch. Heute war das für mich vielmehr vom Kopf her anstrengend. Das ist schon etwas ungewohnt, sich über einen langen Zeitraum ständig zu einhundert Prozent darauf zu konzentrieren nirgends falsch hinzutreten. Noch dazu sind viele der Geröllsteine einfach wackelig. Trotzdem bin ich mir an diesem Tag sicher, auch wenn es noch so anstrengend ist, es macht einfach Spaß.

Die Aussicht direkt aus meinem Zelt heraus
Die Aussicht direkt aus meinem Zelt heraus
Den Glittertinden im Blick