Tag: Spiterstulen

Losgelaufen im Jotunheimen – 5. und 6. Tag

5. Tag

Nicht viel los

Es windet und regnet den ganzen Tag. Zwischen 10 Uhr und 12 Uhr scheint zwar die Sonne, doch die Wettervorhersage sagt für die Zeit danach den ganzen Tag Regen an. Pünktlich um kurz nach 12 fängt es dann auch tatsächlich an zu regnen. Dabei vertilge ich meine letzten gute Laune Salametti. Dabei hätte ich sie am nächsten Tag noch gut gebrauchen können. Memo an mich. Beim nächsten mal viel mehr davon mitnehmen. Abends macht der Regen dann doch nochmal eine kurze Pause. Ich nutze die Zeit um mir meine Beine etwas zu vertreten. Es gibt wirklich schöneres als den ganzen Tag im Zelt zu sitzen. Von diesem Tag gibt es auch nur ein Foto. Read more

DAS sind Geröllsteine

Losgelaufen im Jotunheimen – 4

4. Tag

Es regnet … mal wieder

So gegen 8 Uhr früh wache ich auf. Zu aller erst mache ich mich über mein morgendliches Müsli her. Nachdem ich fertig bin fange ich an meine Sachen in den Rucksack zu packen. Und natürlich fängt es genau dann kräftig zu regnen an. Der Wind mischt natürlich auch wieder mit. Also heißt es nun erstmal die Zeit ein wenig zu vertreiben. Ich studiere wieder die Landkarten für den heutigen Weg. Die Besteigung des Glittertinden fällt nun aber endgültig flach. Auch weil es einfach zu bewölkt ist und ich dann sowieso keine Aussicht hätte. Da wären die Mühen umsonst gewesen.

Glitterheim lasse ich hinter mir
Glitterheim lasse ich hinter mir

Heute fällt es mir irgendwie schwer

So gegen 14 Uhr komme ich, nachdem alles eingepackt ist, endlich weg und begebe mich auf meinen Weg nach Spiterstulen. Hin und wieder lugt die Sonne hervor, doch der immer noch recht kräftige Wind sorgt schnell dafür, dass sich Wolken davor schieben. Im vorbeigehen an der Touristenhütte in Glitterheim sehe ich noch wie ein paar Wanderer den Weg zum Glittertind einschlagen. Schnee lag da jedenfalls genug. In mir macht sich das Gefühl breit die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Hinter Glitterheim geht es das Veodalen in Richtung Veslglupen gemächlich bergauf.

Über sieben Brücken musst du gehn ...
Über sieben Brücken musst du gehn …
Der Weg ist gut bewässert
Der Weg ist gut bewässert

Zuerst wie schon am Russvatnet durchs Gestrüpp, der Weg ist ordentlich überflutet. Und natürlich, kommt auch hier wieder genau in diesem Moment die Sonne voll durch. Und es wird wieder warm. Um meinen Rucksack abzusetzen um meine Jacke ausziehen zu können, habe ich nicht genug Platz. Also geht es von Stein zu Stein und auch von Ast zu Ast durchs Gebüsch. Als ich den „Dschungel“ hinter mir lasse und der Weg wieder normaler wird ist die Sonne auch schon wieder weg und es wird frisch. Was das Timing mit dem Wetter hier angeht habe ich irgendwie den Jackpot gezogen denke ich mir.

Die Aussicht gefällt mir natürlich wieder
Die Aussicht gefällt mir natürlich wieder
Die Wolken sind heute besonders schnell auf der Durchreise
Die Wolken sind heute besonders schnell auf der Durchreise

Der Weg ist nun eigentlich recht angenehm zu laufen. Es geht nur mäßig steil hinauf. Allerdings fällt es mir heute irgendwie trotzdem schwer, weshalb kann ich mir nicht erklären. Die Wolken ziehen wieder einmal immer mehr zu und es wird frischer. Also Mütze und Handschuhe raus. Schon besser. An einer sehr prominent platzierten T-Markierung mitsamt Steinmann mache ich eine kurze Rast und gönne mir eine gute Laune Salametti.

Zu dem Zeitpunkt vermutlich die coolste Sau im ganzen Nationalpark ;)
Zu dem Zeitpunkt vermutlich die coolste Sau im ganzen Nationalpark 😉

 

Da erkenne ich wie unter einem Stein etwas hervorlugt. Aus irgend einem Grund kam mir der Gedanke Geocache in den Sinn? Eigentlich bin kein Geocacher, aber wenn da vielleicht einer ist schau ich doch mal nach. Stein aufgehoben und … schnell wieder fallen gelassen. Eine Damenbinde. Na danke. Ein paar Flüche verlassen schnellstmöglich meinen Mund. Geocaching ist für mich gestorben. Dass es doch immer wieder Leute gibt, die ihren Müll einfach liegen lassen … schade. Auf meiner Tour ist mir leider insgesamt doch viel an liegen gelassenem Müll begegnet.

Und wieder kleine und größere Seen Abseits des Weges
Und wieder kleine und größere Seen Abseits des Weges
Der Gletscher Veobrean  im Blickfeld
Der Gletscher Veobrean im Blickfeld

Es wird noch richtig anstrengend

Es fängt leicht an zu nieseln, weshalb ich mich daran mache weiter zu laufen. Im gehen ist es erträglicher wenn ich nass werde. Doch zu meinem Glück drohen die Wolken mit der Nieselei nur ordentlich. Richtiger Regen prasselt nicht auf mich herab. Ganz im Gegenteil, sie machen sich mehr und mehr vom Acker und die Sonne kommt wieder heraus. Es wird angenehm war und ich kann meine Jacke einpacken. Doch der ein oder andere wird es sich nun sicherlich schon denken. Auf meiner Tour kommt die Sonne nicht einfach nur so heraus, sondern genau dann wenn es anstrengend wird. Ich erreiche die Veslglupen. Zuerst geht es über kleinen und größeren Fels etwas steil hinauf. Ok geht noch. Es geht also weiter. Voll konzentriert auf den Weg erschreckt mich einer dieser Mountain Runner, der an mir vorbeirast. Und wieder suche ich instinktiv nach der versteckten Kamera. Ich bin mir sicher, dass ich im ersten Moment wieder recht blöd geschaut haben muss. Kann doch nicht sein, dass ich mich hier heute so abmühe und ein anderer geradezu federleicht über die Steine hinweggleitet. Aber keine Kamera. Ich schaue dem „Raser“ also hinterher und staune natürlich.

DAS sind Geröllsteine
DAS sind Geröllsteine
Und das auch
Und das auch

Dann nehme ich zum ersten mal DAS Geröllfeld wahr. Verdammt große Steine die den Eindruck erwecken als ob sie jede Sekunde den Hang hinunter rollen. Und da soll ich jetzt rüber? Rucksack runter, ein kleiner Happen und etwas trinken. Danach verstaue ich meine Trinkblase vorne in der Kameratasche. In diesem Geröllfeld werde ich meinen Rucksack nicht absetzen können. Rucksack wieder geschultert und auf den ersten Stein und … der wackelt gewaltig! Dann muss es halt ein anderer sein. Der wackelt jedoch auch. Aber der „Weg“ will bezwungen werden. Umdrehen gibt es nicht sag ich mir. Irgendwie schaffe ich es rüber. Zwischendrin nehme ich das direkt anschließende Altschneefeld wahr. Als ich davor stehe kommt es mir so vor als ob es eine 80% Neigung hat. Wirklich mit jedem Schritt sacke ich ein ganzes Stück ein und rutsche wieder nach hinten. Also ramme ich meine Wanderstöcke tiefer in den Schnee um mich an ihnen besser hochziehen zu können. Klappt einigermaßen. Jedenfalls ist es verdammt anstrengend und ich verfluche sämtlichen Schnee. Zwei Norweger kommen mir entgegen die nach unten wollen. Wirklich gelaufen sind sie jedenfalls nicht. Das war mehr ein durchrutschen. Oben angekommen heißt es erstmal auf die Stöcke gestützt verschnaufen. Dann blicke ich zurück und frage mich ernsthaft ob ich, wenn ich die Tour andersherum gegangen wäre, hier jemals runter gekommen wäre. Die Sonne ist weg und es frischt auf. Es nieselt wieder ein bisschen. Aber das soll mir jetzt egal sein, es geht weiter.

Noch ist nicht richtig auszumachen, was in den nächsten Stunden vor mir liegt
Noch ist nicht richtig auszumachen, was in den nächsten Stunden vor mir liegt
Bis ich schließlich erkenne, dass Geröll wieder in Massen vorhanden ist
Bis ich schließlich erkenne, dass Geröll wieder in Massen vorhanden ist

Schlimmer kann es heute sicherlich nicht mehr werden. Tja… falsch. Also wirklich schlimmer war es nicht. Aber anstrengend. Im Vergleich zum Geröllweg gestern nach Glitterheim ist das was da nun vor mir liegt nochmal eine ganze Spur mehr an Geröll und auch deutlich größer. Und natürlich noch mehr Altschneefelder. Oh wie ich sie hasse.

Die Berge um mich herum wissen aber Eindruck zu schinden
Die Berge um mich herum wissen aber Eindruck zu schinden
Und die verhassten Altschneefelder sind auch wieder zu erkennen
Und die verhassten Altschneefelder sind auch wieder zu erkennen

Vorbei an den kleinen Seen Veslgluptjonnen im Schatten der Berge und durch unzählige Mückenschwärme geht es nun leicht Bergab durchs Skautflye. Einige Seen zu meiner linken und eine schön anzusehende Bergkette. Ist der Weg auch noch so anstrengend, ich habe mir vorgenommen trotzdem meine Bilder zu machen.

Die Lichtstimmung wird interessant
Die Lichtstimmung wird interessant
Die Wolken sorgen für difuses Licht
Die Wolken sorgen für difuses Licht

Natürlich fällt mir der Weg jetzt insgesamt noch schwerer. Ich glaube eine Schnecke wäre nun schneller unterwegs gewesen als ich. Heute soll irgendwie nicht mein Tag sein. Immer mal wieder klart es auf nur um kurz danach wieder bewölkt zu werden.

Ein wenig lässt sich erkennen, dass vorne weiter ein Tal sein muss
Ein wenig lässt sich erkennen, dass vorne weiter ein Tal sein muss

Spiterstulen kommt näher

Von weitem sieht man hier schon, dass ein Tal auf mich wartet. Jedoch zieht sich der Weg gewaltig. Doch auch ich komme dann irgendwann zum Skautkampen und nach einer langgezogenen Kurve sehe ich Spiterstulen. Sieht schon cool aus so von hier oben. So knapp 400 Höhenmeter geht es nun aber noch runter. Als ich dann kurz vor der asphaltierten Landstraße bin die nach Spiterstulen führt schalte ich meine Konzentration ab. Der Weg ist ja nun auch total harmlos. Ein Staubiger Weg und hier und da etwas Schutt. Eine kurze eigentlich nicht nennenswerte Steilpassage und… da liege ich. War ja klar, dass ich an so einer einfachen Stelle wegrutsche.

Spiterstulen im Visdalen und der Visa in Sicht
Spiterstulen im Visdalen und der Visa in Sicht

Ich stehe auf und wische den Staub von meiner Hose. Gut besser ich rutsche hier weg wo nichts passiert, als irgendwo auf einem Berg. Ich erreiche die asphaltierte Straße und komme mir vor wie der erste Mensch der das Laufen für sich entdeckte. Nachdem ich nahezu die letzten beiden Tage spitze Steine unter den Füßen hatte, war das nun ein etwas komisches Gefühl. Meine Beine fühlten sich an wie Gummi. Vor Spiterstulen gab es einige Zeltplätze. Einer davon sollte meiner werden. Das erste was ich tat war meine Schuhe auszuziehen und die Füße ins Kalte Wasser des Visa zu halten. Herrlich erfrischend. Danach war nur noch Zelt aufbauen und Abendessen angesagt. Und wieder wird es wieder bewölkter. Ich schau zu den Wolken und bin mir schon fast sicher, heute Nacht wird es sicherlich wieder regnen.

Spiterstulen in Sicht